Aakrite

Aakrites Papa bin ich vor drei Jahren zum ersten Mal begegnet. Damals wusste ich noch nichts von seinem Schicksal. Im vergangenen Jahr konnte ich Ashok etwas näher kennenlernen, als er mich als Guide auf meiner Trekkingtour zum Poon Hill begleitet hat.  Mir fiel sofort auf, dass er sich optisch von den anderen Sherpa Guides unterschied. Er erzählte mir, dass er eigentlich aus dem Terai stammt, dem südlichsten Streifen Land an der Grenze zu Indien. Dort leben noch seine Eltern und auch Aakrite wurde dort geboren. Allerdings verließ deren Mutter die Familie nach wenigen Jahren und ging vermutlich ins Ausland. Für Ashok war dies ein schwerer Schlag. Er suchte nach Wegen, um wenigstens sich und seine Tochter durchzubringen.

Auch wenn es für die Menschen aus dem Terai schwer ist, sich an die Höhen des Himalayas anzupassen, so zog Ashok nach Kathmandu, um von hier aus als Träger für Expeditionen zu arbeiten. Seine Eltern sind schon recht alt, so dass er ihnen die Betreuung seiner Tochter nicht zumuten konnte. Bald holte er Aakrite zu sich nach Kathmandu. Da Ashok in der Saison oft wochenlang unterwegs ist, gab es nur eine Lösung – er musste die Kleine in ein Internat geben. Das kostet natürlich noch zusätzlich Geld, das erstmal erwirtschaftet werden muss.

Bisher kannte ich Aakrite nur von Fotos, die mir der stolze Papa gezeigt hat. Gestern durfte ich sie nun endlich persönlich kennenlernen. Die Haut fast so dunkel wie Schokolade, große schwarze Kulleraugen, südländische Gesichtszüge, die langen Zöpfe baumeln fast bis zur Taille – ein bildhübsches Mädchen auf den ersten Blick. Unterhält man sich eine Weile mit Aakrite, so merkt man schnell, dass sie sehr intelligent ist und richtig gut Englisch spricht.

Mit ihren 12 Jahren wirkt Aakrite schon sehr erwachsen. Kein Wunder, war sie doch schon beizeiten mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Aber sie scheint die Situation offensichtlich gut zu meistern und lernt vorbildlich. Ganz stolz hat sie mir erzählt, dass sie gestern früh ein Examen geschrieben hat, das vierte von insgesamt 12. Wenn nix dazwischen kommt, kann sie mir sogar vor meiner Abreise noch die Ergebnisse zeigen. Später möchte Aakrite gern Ärztin werden. So wie ich sie kennenlernen konnte, trau ich ihr das voll zu!

Gestern Nachmittag habe ich mich mit ihr und ihrem Papa in Tashis Büro getroffen. Dort haben wir auch besprochen, was sie dringend benötigt. Sie ist in den letzten Monaten ziemlich gewachsen, so dass ein Paar Winterschuhe und ein dickes Sweatshirt auf ihrer Wunschliste standen. In der Schule tritt Aakrite oft bei Programmen auf. Dabei tragen die Mädchen stets Kleider. Da soll sie natürlich auch nicht hintenan stehn und so bekam sie auch noch ein wunderschönes Kleid ihn ihren Lieblingsfarben ‚Schwarz und Weiss‘ – für ganze 6,80 Euro!!! Aakrite hat gestrahlt wie eine Prinzessin.

Die kleine Dame weiß genau, was sie will, und hat einen wirklich guten Geschmack. Ich hatte ihr als Budget 50 Euro vorgegeben und sie durfte selber kalkulieren und aussuchen, was sie davon kauft. Natürlich hätte ich Einspruch geltend gemacht, wenn ich gemerkt hätte, dass die Sache aus dem Ruder läuft. Aber das war gar nicht nötig! Nach knapp zwei Stunden waren wir zurück bei Onkel Tashi, der in seinem Büro all die schönen Sachen auch noch bewundern durfte.

Dort hat Aakrite gleich noch ein paar Zeilen an ihre Paten geschrieben, um sich zu bedanken. Da es noch eine Weile dauern wird, bis ich diese Karte ‚zustellen‘ kann, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Paten Simone und Jörg für die großartige Unterstützung!

… und hier könnt ihr nachvollziehen, was wir alles gekauft haben:

Winterschuhe 2000 Rs. / Kleid 790 Rs. / Sweatshirt 1390 Rs. / Jeansjacke 790 Rs. / Leggings 350 Rs.

Macht alles zusammen – 5320 Rupien (ca. 50,-€)!

Die strahlenden Kinderaugen – unbezahlbar!!!!

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