Rückblick auf 2022

Vergangene Woche habe ich Euch einen Überblick darüber gegeben, was im Laufe des vergangenen Jahres an Spenden eingegangen ist und wofür diese in Nepal eingesetzt wurden. Heute möchte ich Euch berichten, was sich hinter diesen nüchternen Zahlen verbirgt.

Im vergangenen Jahr betreuten wir insgesamt 15 Patenschaften, von denen nun 5 Patenschaften ausgelaufen sind. Die Gründe dafür sind bis auf eine Ausnahme durchweg erfreulich.

Leider hat die Familie unseres Patenkindes Deepa alle Kontakte abgebrochen, kurzfristig ihre bisherige Heimat Budhanilkantha verlassen und ist mehr als 200km entfernte Pokhara gezogen. Durch die bisherige Schulpatenschaft wurde Deepa eine gute Grundlage für ihr weiteres Leben geboten. Hoffen wir, dass es ihr in ihrer neuen Heimat gut geht.

Jenisha und Sarina haben sehr erfolgreich die High School abgeschlossen und besuchen nun das College. Die Patin von Jenisha hat sich freundlicherweise bereit erklärt, das Mädchen auch weiterhin bei Bedarf zu unterstützen. Die Situation der Familie von Sarina hat sich stabilisiert, so dass eine weitere Unterstützung nicht mehr notwendig ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen hat sich die Situation von Ajeets Familie nach dem Lockdown drastisch verbessert. Beide Eltern haben einen Job, so dass eine weitere Unterstützung von Ajeet nicht mehr erforderlich ist. Er geht mittlerweile auf die High School und blickt einer guten Zukunft entgegen.

Ähnlich sieht es bei Kushum aus. Sie ist nicht nur eine hervorragende Schülerin, die mittlerweile in die 12. Klasse der High School geht, sie kann auch optimistisch in die Zukunft schauen. Ihre Eltern haben ebenfalls nach dem Lockdown Arbeit gefunden und konnten sogar ein Stückchen Land erwerben. Kushum, die bisher immer nur bei verschiedenen Verwandten gewohnt hatte, kann nun endlich wieder gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern leben.

Und auch von Aayub gibt es gute Neuigkeiten. Er hatte zwar keine direkten Paten, ihn haben wir in den letzten 4 Jahren durch freie Spenden mit einem Stipendium unterstützt. Aayub hat mittlerweile die Schule sehr erfolgreich abgeschlossen und nimmt auch mit großem Erfolg an internationalen Wettkämpfen in Kampfsport teil. Der junge Mann hat dank seiner hervorragenden Leistungen eine sehr gute Stelle ebenfalls bei der Kung Fu Association bekommen, die es ihm sogar ermöglicht hat, sich von seinem Verdienst einen Motorroller zu kaufen.

Aber es gibt noch viel mehr Kinder, die keine festen Paten haben und Hilfe und Unterstützung brauchen. So stellten wir unseren Vertrauenslehrer Suman einen Teil der Spenden zur Verfügung, um Schulmaterial und Kleidung für diese Kinder zu besorgen. Obwohl sie mich gar nicht persönlich kennen, bedankten sich diese Kinder mit ganz liebevoll gemalten und geschriebenen Weihnachtsgrüßen.

Der größte Teil der freien Spenden fließt in das medizinische Hilfsprojekt unseres Freundes Samrat. Er betreibt gemeinsam mit Freunden und Voluntären ein kleines Krankenhaus/Therapiezentrum in Katmandu, das nur von Spenden finanziert wird und den Ärmsten der Armen offensteht. Für solch ein Haus fallen einerseits monatlich Betriebskosten wie z.B. Miete, Strom, Wasser und Gas an. Diese sind noch halbwegs kalkulierbar. Andererseits kommen Kosten für Behandlungen, Therapien und Operationen, für Verbandsmaterial und medizinische Technik, für Versorgungsfahrten in entlegene Gebiete und Verpflegung der Patienten hinzu. Diese Kosten sind kaum planbar und machen den größten Teil aus.

 

Durch unsere Spenden konnten im Frühjahr Renovierungsarbeiten am Haus durchgeführt werden, um den hygienischen Grundanforderungen zu entsprechen. Das Haus schaut nun auch viel freundlicher aus, was die Patienten sicher auch positiv beeinflusst.

   

Die 12jährige Laxmi ist seit über einem Jahr im Therapiezentrum. Durch einen Unfall war ihr rechtes Bein gebrochen. Die Erstbehandlung in ihrem Dorf war alles andere als fachmännisch und brachte mehrere Probleme, wie z.B. eine Wundinfektion nach sich. Die Chance, dass das Mädchen je wieder laufen konnte, war dadurch verschwindend gering. In ihrer Verzweiflung brachte ihre Mutter sie in das Therapiezentrum, wo für Laxmi ein neuer Weg begann. Sie musste bisher 5 Operationen über sich ergehen lassen, dazu Bluttransfusionen und Physiotherapie. Die Kosten dafür überstiegen bei Weitem das Budget der Hilfsorganisation. Wir konnten einen Teil dazu beitragen, dass Laxmi jegliche Hilfe bekommt, die sie benötigt.

 

Karan Ram, ein junger Mann, stammt aus einem entlegenen Teil Nepals. Als er vor 10 Jahren eine Wunde an seinem rechten Knöchel bekam und die Behandlung nicht funktionierte, dachte die Familie, es seien einige zusammenhängende Krankheiten, und sie hielten ihn viele Jahre lang in Isolation in einem Dschungel. Als eine Sozialarbeiterin vor 8 Jahren auf ihn aufmerksam wurde, war das Bein schon soweit zerstört, dass nur noch eine Amputation half. Karan hätte normalerweise regelmäßig Medikamente nehmen müssen, aber die konnte er nicht bezahlen. Er zog sich wieder zurück. Nach etlichen Jahren begann das gleiche Problem an seinem linken Bein. Er nahm in seiner Verzweiflung Kontakt zu der Sozialarbeiterin auf und wurde von ihr letztendlich zu MeRO (Therapieeinrichtung) gebracht. Leider war das linke Bein auch nicht mehr zu retten und musste amputiert werden. Nach einer erfolgreichen Operation wurde Karan für 5 Tage auf die Intensivstation verlegt. Da sein Körper so schwach war, hatte er Mühe, diese riesige Operation zu bewältigen, also musste er mit speziellen Medikamenten besonders versorgt werden. Auch hier konnten wir uns an den Behandlungskosten beteiligen. Nach 5 Tagen Kampf auf Leben und Tod geht es Karan nun besser und er wurde auf die allgemeine Abteilung verlegt.

 

Und für die 2-jährige Arya konnten sogar die kompletten Kosten für die letzte Operation bezahlt werden. Arya litt seit Geburt an einer Hüftdysplasie. Ohne Hilfe hätte das Mädchen niemals alleine laufen können. Die Geschichte dieses so tapferen Mädchens erzähle ich Euch in den nächsten Tagen, denn sie ist traurig und schön zugleich und noch lange nicht zu Ende.

 

Im vergangenen Jahr habe ich neben meinen Reisereportagen 25 Vorträge an Schulen, in Vereinen und sogar in einer Jugendstrafanstalt gehalten, um auf die Missstände in entfernten Teilen der Welt aufmerksam zu machen, die leider mittlerweile in der hiesigen Presse keine Plattform mehr bekommen.

 

Ein herzliches Dankeschön an jeden einzelnen Spender und an meine Freunde Corinna, Samrat, Suman und Sabin! Ihr alle sorgt dafür, dass wir den Menschen in Nepal helfen und Hoffnung geben können.

Gemeinsam sind wir stark – auf ein neues erfolgreiches Jahr voller HOPE for NEPAL!

 

 

 

 

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