Familienschicksal

Auf den ersten Blick erscheinen Pema und Pashi wie zwei ganz normale Kinder. Pema ist 5 Jahre alt, hat schwarze Kulleraugen, ist für sein Alter recht groß gewachsen und sehr selbstbewußt. Seine Schwester Pashi ist 8 Jahre, ein recht zierliches Mädchen mit dunklen langen Haaren und einem eher schüchternen Blick. Wenn sie jedoch lächelt, dann strahlt sie übers ganze Gesicht.

Als ich die Geschichte dieser beiden Sherpa-Kinder hörte, war ich sehr betroffen und sah diese Beiden nun mit ganz anderen Augen.

Vor etwa 10 Jahren kamen ihre Eltern aus einer recht abgelegenen und sehr armen Gegend im Everest-Gebiet nach Kathmandu, um sich hier einen bescheidenen Wohlstand aufzubauen und eine Familie zu gründen. Bald darauf kam auch schon Pashi zur Welt und ihre Mama kümmerte sich von da an um den Haushalt, während ihr Papa den Lebensunterhalt als Träger verdiente. Als Pema geboren wurde, hatte sich sein Vater aufgrund seiner Erfahrung zum Touren-Guide hochgearbeitet und begleitete nun Expeditionen auf die verschiedensten Gipfel des Himalaya.

So auch vor 2 Jahren, als er eine Gruppe Bergsteiger auf den über 6000 Meter hohen Pisang Peak geführt und für ihren Gipfelerfolg gesorgt hatte. Beim Abstieg kam es zu einem tragischen Unfall, der Vater stürzte ab und verstarb mit nur 44 Jahren.

Für die kleine Familie brach eine Welt zusammen. Neben dem Verlust des Vaters kamen auch finanzielle Sorgen auf die Familie hinzu. Die Mutter konnte nicht arbeiten, weil sie sich um ihre beiden kleinen Kinder kümmern mußte. Das wenige, mühsam ersparte Geld war in ein paar Monaten verbraucht. Vereinzelte Spenden von Bergsteigern im ersten Jahr nach dem Unfall ermöglichten Pashi wenigstens den Besuch der Schule.

Als ich letztes Jahr hier in Nepal war, habe ich mich darum gekümmert, dass Pema und Pashi in ein Förderprogramm aufgenommen wurden. Meiner Freundin Sabine ist es zu verdanken, dass für beide Geschwister Paten gefunden wurden, die die Schulkosten übernehmen.

Dass Schulbildung mit das Wichtigste überhaupt ist, zeigt sich am Beispiel der 38jährigen Mutter. Sie selbst konnte nie eine Schule besuchen, hat weder Schreiben noch Rechnen richtig gelernt, sondern sich dies mehr oder weniger gut selber beigebracht. Das sie weder auf einen Schulabschluss noch auf eine Berufsausbildung zurückblicken kann, war es bisher unmöglich für sie, eine Arbeit zu finden.

Deshalb hat sie letztes Jahr ein kleines Restaurant eröffnet, um für ihre Familie sorgen zu können. Was sich jetzt recht toll anhört, ist in Wirklichkeit alles andere als das. Die Drei haben nur einen Raum zur Verfügung. In diesem wird geschlafen und gekocht, gegessen und gespielt. Und dieser Raum ist ebenso das besagte ‚Restaurant‘, welches früh zum Sonnenaufgang öffnet und weit nach Sonnenuntergang schließt. Zwischendrin bringt die Mutti die Kinder um 9:30 Uhr zur Schule und holt sie 16:00 Uhr wieder ab. Da sie ganz allein für ihr kleines Restaurant dasteht, muss dieses auch geschlossen werden, wenn sie die dafür notwendigen Besorgungen macht. Das bedeutet jedoch auch wieder einen Verdienstausfall.

Was für eine Kraft muss diese junge Witwe aufbringen, um ihr Leben mit Würde zu meistern! Sie kann nicht auf die Hilfe ihrer Familie zurückgreifen, da diese zum einen sehr weit entfernt und zum anderen in ebenso armen Verhältnissen lebt. Diese junge Frau verdient nicht nur unseren tiefsten Respekt, sondern auch unsere Unterstützung.

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